Heiße Sommer - Coole Passivhäuser

Der Klimawandel schreitet voran, es gibt immer mehr heiße Sommertage. Um die Treibhausgase zu reduzieren gibt es neben dem Verkehr noch einen zweiten wichtigen Bereich: Den Städtebau. Passivhäuser sind klimaneutral und nachhaltig und müssen im Wohnbau künftig verstärkt umgesetzt werden.

Wien kann hier die Vorreiterrolle noch weiter ausbauen und im Wohnbau ohne fossile Rohstoffe auskommen. Somit lässt sich das Klima schützen und der Wohnkomfort auch im Sommer verbessern.

Bereits 40 Hitzetage und 28 Tropennächte im Sommer 2017 in Wien
Vorläufige Sommerbilanz der ZAMG vom 30.8.2017: Drittwärmster Sommer seit dem Messbeginn im Jahr 1767 (2,0 °C über dem vieljährigen Mittel). In vielen Regionen zwei bis sechs Mal so viele Hitzetage wie in einem durchschnittlichen Sommer. Die ZAMG verzeichnet schon jetzt durchschnittlich mehr Tage mit Temperaturen über 30 Grad als in den vier Jahren davor. In Wien Innere Stadt wurden diesen Sommer bereits 40 Hitzetage gemessen. Auch in den Nächten hatten viele Regionen mit tropischen Temperaturen zu kämpfen. Am heißesten war es in der Wiener Innenstadt mit 25,5 Grad. Von den sogenannten Tropennächten (die Temperaturen fallen nicht unter 20 Grad) waren diesen Sommer vor allem die Innenbezirke Wiens mit 28 Tropennächten betroffen.

Chorherr, Lang und WillingerChorherr, Lang und WillingerTillner, Chorherr, Lang und Willinger

Coole Passivhäuser schaffen Abkühlung im Sommer
Bei solchen Hitzetagen mit weit über 30°C kann man im Passivhaus mit entsprechender Verschattung getrost die heißen Außentemperaturen aussitzen, hat es doch Dank der Komfortlüftung (ohne energiefressender Klimaanlagen) angenehme Innenraum-Temperaturen von 23 – 25°C, maximal 26°C. Die Fenster können geschlossen bleiben, damit die Hitze von draußen nicht herein kommt, aber die Komfortlüftung bringt permanent frische kühlere Luft ins Haus. Natürlich bleiben auch Straßenlärm und –staub, sowie Pollenbelastungen draußen. Gerade auch für Kinder sowie ältere und kranke Menschen stellt dies eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität dar.

Dem Klimawandel vorbeugen
Wesentlich ist aber ebenso die Treibhausgasemissionen (der Gebäudesektor hat einen Anteil von derzeit rund einem Drittel der österreichweiten Emissionen) dauerhaft zu senken. Innerhalb der kommenden 30 Jahre wird es gemäß den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommens notwendig sein, diese auf Null CO2-Emissionen zu reduzieren – eine echte Herkulesaufgabe. Und zwar weltweit!

Mit dem Passivhaus-Standard im Neubau und dem EnerPHit-Standard in der Sanierung kann die bestmögliche Energieeffizienz noch dazu sehr kostengünstig realisiert werden, wie auch Wien seit 20 Jahren beispielgebend vorzeigt. Der verbleibende minimale Restenergiebedarf kann dann leicht durch 100% Erneuerbare Energieträger nachhaltig und ressourcenschonend bereitgestellt werden.

Derzeit verfügt Wien mit 450.000 Quadratmetern über die weltweit größte Nutzfläche an dokumentierten Passivhäusern, und war daher Ende April auch Schauplatz der 21. Internationalen Passivhaustagung, bei der KongressteilnehmerInnen aus 60 Nationen die über einhundert großvolumigen Passivhäuser bestaunten.

Nun ist es aber an der Zeit zu handeln, wollen wir das Klima in der Stadt und in ganz Österreich erträglich gestalten. Der Passivhaus-Standard hat sich seit 26 Jahren weltweit bewährt, nun sollte er endlich zum allgemeinen Mindeststandard zum Wohle der Bevölkerung werden. Dies verbessert nicht nur den Wohnkomfort, sondern spart auch dauerhaft Kosten beim Wohnen und Volksvermögen, anstatt dieses durch fossile Energieimporte zu verlieren. Zu den Tagen des Passivhauses von 10.-12. November kann sich die Bevölkerung in ganz Österreich bei 120 Besichtigungsobjekten selbst ein Bild machen wie es funktioniert.

Passivhaus-Wohnanlage JOIN INPassivhaus-Wohnanlage JOIN INPassivhaus-Wohnanlage JOIN IN

Zur Wohnanlage: JOIN IN auf den Mautner-Markhof Gründen

"JOIN IN - Vielfalt gemeinsam leben" lautet der Name des Projektes unter dem ein interkulturelles Wohnprojekt in Passivhaus-Standard mit 90 geförderte Mietwohnungen und einer Senioren-Wohngemeinschaft errichtet wurde. So fördert dieses Projekt das Zusammenleben von Menschen verschiedener Altersgruppen und unterschiedlicher kultureller Herkunft sowie eine grundsätzliche Toleranz für andere Lebensstile und Werthaltungen. In Zusammenarbeit mit Soziologen wurden verschiedene modulare Grundrisstypen entwickelt aus denen die BewohnerInnen auswählen und die sie an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Flexibilität der Grundstruktur und Partizipation der BewohnerInnen führen zur Nachhaltigkeit im gesamten Lebenszyklus der Gebäude.

Äußeres Erkennungsmerkmal des Projektes sind die umlaufenden Loggienbänder mit vorgeschalteten Balkonen, die den Wohnraum erweitern. Ziel ist es, den städtebaulichen Charakter der Gebäude als Großpavillons zu unterstreichen.

Die Erschließung des Projekts bietet ein ausgewogenes System von Privatheit, Gemeinschaft und Öffentlichkeit, das auch für BewohnerInnen mit differenzierten Ansprüchen attraktiv ist. Alle Wohnungen haben private Balkone und Loggien. Die beiden Wohnhäuser verfügen über gemeinschaftliche Dachgeschosse mit Terrassen, Pflanzbeeten und Wintergarten, die für die HausbewohnerInnen vorgesehen sind. Im Erdgeschoss gibt es öffentliche Freiräume, die den Gemeinschafträumen zugeordnet, jedoch öffentlich zugänglich und nutzbar sind. Bilder des Künstlers Herbert Pasiecznyk in den attraktiven, hellen Stiegenhäusern verstärken den unverwechselbaren Charakter der Wohnhäuser.

Kontrollierte Wohnraumlüftung mit drei zentralen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung über Luft/Luft Wärmetauscher. Die Frischluft wird mittels aktivierten Bohrpfählen sowie aktivierter Bodenplatte im Winter vorgewärmt und im Sommer leicht vorgekühlt.